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Berliner Gewaltbarometer zeigt wachsende Konfliktbelastung an Schulen

Das Berliner Konflikt- und Gewaltbarometer 2026 basiert auf Angaben von 14.115 Schülerinnen und Schülern sowie 2.579 Lehrkräften und pädagogischen Mitarbeitenden. Die Untersuchung zeigt eine hohe Belastung durch verbale, soziale und körperliche Gewalt. Zugleich berichten viele Beschäftigte von zunehmenden Konflikten und knappen Ressourcen für Prävention. Die Daten betreffen Berlin, liefern Schulen und Schulträgern aber konkrete Anhaltspunkte für Prävention, Intervention und Krisenorganisation.

Das Berliner Konflikt- und Gewaltbarometer 2026 liefert erstmals eine breite wissenschaftliche Datengrundlage zu Konflikten und Gewalt an Berliner Schulen. Befragt wurden 14.115 Schülerinnen und Schüler sowie 2.579 Lehrkräfte und pädagogische Mitarbeitende. Die Ergebnisse zeigen keine einheitliche Lage für alle Schulen. Sie machen aber sichtbar, welche Formen von Gewalt häufig vorkommen und wie stark Konflikte den Schulalltag belasten können.

Editoriale Übersicht zum Berliner Konflikt- und Gewaltbarometer 2026 mit Stichprobengröße und zentralem Eskalationswert.

Eine ungewöhnlich breite Datengrundlage

Berlin bezeichnet die Untersuchung als bundesweit erste umfassende Studie dieser Art auf Landesebene. Schülerinnen und Schüler der Klassenstufen 6, 9 und 12 sowie aus beruflichen Schulen wurden schriftlich befragt. Lehrkräfte und pädagogische Mitarbeitende nahmen über einen Online-Fragebogen teil. Der Befragungszeitraum lag zwischen November 2025 und Januar 2026.

Die Studie erfasst unterschiedliche Perspektiven. Sie fragt nach Erfahrungen mit verbaler, sozialer, körperlicher und sexualisierter Gewalt, nach Konfliktursachen sowie nach der Wahrnehmung des pädagogischen Personals. Dadurch entsteht kein einzelner Sicherheitswert, sondern ein differenziertes Bild der Belastung.

Die Ergebnisse gelten für Berlin. Sie sollten nicht ohne weitere Daten auf andere Bundesländer oder einzelne Schulen übertragen werden.

Welche Erfahrungen Neuntklässler berichten

Für die neunte Klassenstufe veröffentlicht die Berliner Senatsverwaltung detaillierte Einzelwerte. Besonders häufig genannt werden Lästern mit 71 Prozent, Beleidigungen mit 63 Prozent und Schubsen mit 61 Prozent. Schreien nennen 56 Prozent, Blamieren 49 Prozent.

Auch schwerere Erfahrungen kommen vor. 26 Prozent berichten von Mobbing, 25 Prozent von Schlägen und 20 Prozent von sexistischen Kommentaren. Je 16 Prozent nennen Bedrohungen oder unangemessene Berührungen. Fünf Prozent berichten von Bedrohungen mit Waffen, vier Prozent davon, von Mitschülerinnen oder Mitschülern verprügelt worden zu sein.

Balkendiagramm zu den von Berliner Neuntklässlerinnen und Neuntklässlern berichteten Gewalterfahrungen. Die höchsten Werte entfallen auf Lästern mit 71 Prozent, Beleidigungen mit 63 Prozent und Schubsen mit 61 Prozent.

Die Grafik bildet ausschließlich die von der Berliner Senatsverwaltung veröffentlichten Werte für die neunte Klassenstufe ab. Die Kategorien überschneiden sich; die Prozentwerte dürfen daher nicht addiert werden.

Lehrkräfte sehen eine wachsende Belastung

Auch die Perspektive des pädagogischen Personals ist deutlich. 38 Prozent bewerten Gewalt unter Schülerinnen und Schülern als großes Problem, weitere 18 Prozent als sehr großes Problem. 61 Prozent der Beschäftigten, die seit mehr als fünf Jahren an ihrer Schule arbeiten, berichten von einer Zunahme der Gewalt.

Besonders relevant für die Schulorganisation ist der Ressourcenverbrauch. An Schulen mit hoher Gewaltbelastung sagen 79 Prozent des pädagogischen Personals, dass der Umgang mit Gewalt den regulären Schulbetrieb stark belastet. 27 Prozent geben dort an, so stark mit akuten Konflikten beschäftigt zu sein, dass Zeit für Präventionsarbeit fehlt.

Die Berliner Bildungssenatorin verweist zusätzlich auf einen Befund, nach dem 80 Prozent der Lehrkräfte beobachten, dass Konflikte schneller eskalieren als noch vor wenigen Jahren. Diese Aussage beschreibt die Wahrnehmung der Befragten. Sie belegt keine einzelne Ursache für die Entwicklung.

Prävention und Intervention gehören zusammen

Die Untersuchung beschreibt ein Problem, das Schulen organisatorisch gut kennen: Akute Konflikte binden genau die Ressourcen, die für nachhaltige Prävention benötigt werden. Prävention kann deshalb nicht nur aus einzelnen Projekttagen bestehen. Sie braucht Zuständigkeiten, Zeit, erreichbare Beratungswege und klare Regeln für den Übergang zur Intervention.

Die Studienautoren verweisen auf Unterschiede zwischen Schulen und auf die Bedeutung konsequent angewandter Regeln. Schulen mit geringerer wahrgenommener Gewaltbelastung berichten häufiger von einer konsequenten Null-Toleranz-Politik gegenüber Gewalt als stark belastete Schulen. Daraus lässt sich keine einfache Ursache-Wirkungs-Beziehung ableiten. Der Befund zeigt jedoch, dass Regeln erst durch verlässliche Umsetzung organisatorisch wirksam werden.

Berlin will die Ergebnisse gemeinsam mit Wissenschaft, Schulpraxis, Eltern- und Schülervertretungen sowie weiteren Stellen weiter auswerten. Daraus sollen Maßnahmen für Prävention, Intervention und den Umgang mit schweren Grenzüberschreitungen entstehen.

Was Schulen und Schulträger daraus prüfen können

Für einzelne Schulen liefert das Gewaltbarometer keine fertige Maßnahmenliste. Es bietet aber sinnvolle Prüffragen für bestehende Konzepte.

  • Sind Melde- und Beratungswege für Schülerinnen, Schüler und Beschäftigte bekannt und erreichbar?
  • Ist geregelt, wann pädagogische Bearbeitung ausreicht und wann weitere Stellen einbezogen werden?
  • Gibt es klare Rollen für Intervention, Kommunikation und Dokumentation?
  • Werden digitale Konflikte in Präventions- und Interventionswegen berücksichtigt?
  • Bleibt trotz akuter Konfliktbearbeitung genügend organisatorischer Raum für Prävention?
  • Sind Alarm- und Krisenwege für Lagen vorbereitet, in denen pädagogische Maßnahmen nicht mehr ausreichen?

Digitale Alarmierung ist dabei nur ein Teil der Krisenorganisation. Sie kann vorbereitete interne Informationen und Rückmeldungen in einer akuten Lage unterstützen. Sie ersetzt weder pädagogische Prävention noch Beratung, Polizei, Rettungsdienst oder landesspezifische Vorgaben.

Der Wissensbeitrag Gewaltprävention an Schulen ordnet Prävention, organisatorische Vorbereitung und technische Unterstützung dauerhaft ein. Die Berliner Primärquelle enthält außerdem Links zur Ergebnispräsentation, zur Untersuchungsmethode und zur wissenschaftlichen Einordnung.